Immer wieder führt das Thema um die Kastration von Tieren zu zum Teil heftig geführten, emotionalen Diskussionen. In der heutigen Freitagsrunde sollten wir uns allerdings auf die Kastration bei Haustieren, insbesondere bei Hunden beschränken.

Welche Gründe gibt es Kastrationen durchzuführen? Mit welchen Konsequenzen und Risiken muss ich rechnen? Ist die pauschale Kastration rechtlich und moralisch ok? Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit einem kastrierten Tier gemacht? Werden Kastrationen als Heilmittel von Tierärzten “verschrieben” um den Umsatz zu erhöhen?

Ich bin gespannt auf eure Antworten.

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22 Kommentare on Freitagsrunde: Sinn oder Unsinn der Kastration

  1. Hier mal ein Auszug aus dem Tierschutzgesetz:
    § 6 (1) Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn
    1.der Eingriff im Einzelfall
    a)nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
    b)bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen,
    2.ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 1, 1a oder 7 vorliegt,
    3.ein Fall des § 5 Abs. 3 Nr. 2 bis 6 vorliegt und der Eingriff im Einzelfall für die vorgesehene Nutzung des Tieres zu dessen Schutz oder zum Schutz anderer Tiere unerläßlich ist,
    4.das vollständige oder teilweise Entnehmen von Organen oder Geweben zum Zwecke der Transplantation oder des Anlegens von Kulturen oder der Untersuchung isolierter Organe, Gewebe oder Zellen erforderlich ist,
    5.zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder – soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen – zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird.

  2. Als Katzenhalterin kann ich nur sagen, das es bei unserem Kater “keinen Weg dran vorbei” gab. Er hätte ohne Kastration unsere Wohnung verwüstet, überall markiert und versucht aus dem Haus zu gelangen. Wir haben ja einen reinen Wohnungskater. Bei einem Hund sieht das meiner Meinung nach ein klein wenig anders aus. Da lässt sich eine unkontrollierte Vermehrung des Tiers durch Anlegen der Hundeleine und Beaufsichtigung des Tiers “relativ” gut vermeiden. Wenn man das Tier ohne Leine laufen lässt, was ja die meisten Hundebesitzer machen, hat man natürlich keine Kontrolle darüber. Generell bin ich der Ansicht, das man sein Tier kastrieren lassen sollte, wenn man keinen Nachwuchs möchte. Das ist dann auch keine Frage der Moral für mich, sondern zeugt von Verantwortung für sein Tier. Obwohl mir die Kastration unseres Katers schon ein bisschen Leid getan hat.. Das gebe ich gern zu..
    Liebe Grüße

  3. Abgesehen von gesundheitlichen Problemen, die eine Kastration erforderlich machen, finde ich das Thema Kastration völlig überbewertet. Vor inzwischen 16 Jahren kam unsere Airedale Terrier Hündin ins Haus und die allegemeine Meinung war damals: Wer keinen Nachwuchs plant, der sollte den Hund sterilisieren/kastrieren lassen, da er sonst unter dem nicht ausgelebten Fortpflanzungstrieb leidet. Schwachsinn! Leider haben wir damals noch nicht so gedacht und uns dafür entschieden. Unserer jetztige Irish Terrier Hündin ist das, nach vielen Gesprächen mit der Züchterin und Tierärtzin, erspart geblieben. Sie macht weder “Probleme” während der Läufigkeit, noch wird sie Scheinwschwanger oder depressiv wegen nicht ausgelebter Fortpflanzungstriebe (im Wolfsrudel wird im Übrigen auch nur die Alpha-Wölfin schwanger). Wir sind froh uns so entschieden zu haben!
    LG, Enya

  4. Schwammig…Kastriert wird doch trotzdem, ohne das wirklich 100% Vernünftige Gründe dafür vorliegen. Und auch Leuten für die eine Kastration ein schöner, angenehmer Stress freier “Akt” ist bekommen ihren “Wunsch” nach einer Kastration oft schnell erfüllt.

  5. Natürlich … mit “Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung” kanns tdu das immer erklären. Es gibt sicherlich Menschen, die für ihre eigene Bequemlichkeit kastrieren, dennoch muss man da echt differenzieren. Gerade in Wohngebieten, in denen viele Hunde leben, kann eine läufige Hündin für den Besitzer eine echte Schwierigkeit bedeuten. Und auch für die dort lebenden Rüden bedeuten läufige Hündinnen Stress. Mit der Nicht-Kastration lässt man der Natur doch nur einseitig ihren Lauf, bringt man den Gedanken zu Ende, müsste auch die Mischlingsverpaarung dann zugelassen werden. Eben so, wie es bei Freigängerkatzen der Fall ist und in unserer Gesellschaft zu riesigem Leid führt. Kastration ist für mich eine Medaille mit zwei Seiten, von daher habe ich auch keinen festen Standpunkt. Ich würde es persönlich so lange nicht tun, wie für mich die Situation machbar bleibt.

  6. Patrick Do sagt:

    Hier ein Artikel zum Thema Kastration; Frühkastration und auf was Hundehalter achten sollten. Sind ganz interessante Infos http://www.weisse-schaeferhund.....n-sollten/

  7. @Gaby “Mit der Nicht-Kastration lässt man der Natur doch nur einseitig ihren Lauf, bringt man den Gedanken zu Ende, müsste auch die Mischlingsverpaarung dann zugelassen werden. ”
    verstehe ich nicht – erläutere mal.
    Mischlingsverpaarungen sind doch nicht verboten – ?

  8. Nein … sind sie nicht. Aber greifen wir nicht ebenso in den natürlichen Ablauf ein, wenn wir unseren Rüden festhalten, wenn er eine läufige Hündin vor der Nase hat? Das meinte ich mit “einseitig”: wir vermeiden eine Kastration, lassen aber einen Wurf nicht zu, bzw setzen allein durch die Läufigkeit der Hündin die Rüden (und auch die Hündin selbst) in einen Stresszustand. Jedenfalls, wenn sie dauerhaft in unmittelbarer Nachbarschaft leben.

  9. oh, jetzt hab ichs – war ein bischen zu viel zwischen Zeilen für mich ;-) – Mit dem Stresszustand muss ich Dir beipflichten, ich weiß aber nicht, ob das unbedingt negativ ist oder auch rein “natürlicher Stress” ist. Häufig, so glaube ich, stehen eigentlich Unbequemlichkeitsgründe der Halter dahinter. Während das oben zitierte Tierschutzgesetz davon ausgeht, dass gesunde Körperteile nicht entfernt werden dürfen, werden häufig doch auch psychische Probleme einer Scheinschwangerschaft oder eine Hypersexualität in den Raum geworfen. Mit psychischen Problemen bei Tiere wäre ich sowieso schon einmal grundsätzlich vorsichtig und die Hypersexualität ist bei Tieren genauso häufig wie beim Menschen.

  10. Patrick Do sagt:

    Ich weiss nicht ob eine läufige Hündin für die Rüden in der Umgebung negativen Stress bedeuten. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass es den Rüden dabei wirklich schlecht geht.

  11. Es gibt Rüden , die jammern , jaulen, bellen und fressen auch nix in der Zeit. Für die bedeutet es enormen Stress. Ich bin auch kein Freund von Kastration, aber da würde ich dazu raten bei so einem Typ Hund.

  12. Sicher sind einige Kastrationen Bequemlichkeit oder sogar (und das ist besonders schlimm) falsche Beratung. Gerade im FAll von Rüden / Aggressionen, die damit angeblich beseitigt werden. Dabei ist’s manchmal “nur” Fehlverhalten des Besitzers. Ich denke da an einen “Wachhund”-Mischling (mittelgroß) aus meine rJugendzeit, der das Grundstück auf siene eigene Art bewachte. Der Hund hing sofort am Bein des Besuchers: aber nicht mit den Zähnen, nein, rammelnderweis hing er dort. Das hatte kaum etwas mit hypersexualität zu tun, eher etwas mit mangelnder Erziehung. Dennoch finde ich, dass gerade Rüden unter STress stehen, denn sie können ihren Trieb ja nicht ausleben, sondern werden vom Objekt der Begierde fern gehalten.

  13. Ja Gaby, ich gebe dir bezüglich des Stresses schon Recht, dennoch weiß ich nicht, ob dieser Streß negativ für den Hund ist. Wir kamen ja von der Natürlichkeit. Ein freilebender Hund (oder Wolf) in einem Rudel kommt auch nicht bei jeder Läufigkeit zum Zug und muss sich evtl. sogar Revier- und Positionierungskämpfen unterziehen. Auch das ist Stress. Ich habe diese Problematik schon seit einiger Zeit in Halbjahresabständen und schlafe dann mit dem Rüden für 5 Tage im Wohnzimmer. Und ehrlich gesagt, ich weiß nicht, ob es ihm mehr ausmacht oder mir. Ich weiß aber nicht, wie lange ich das noch durchhalte. Aber diese Unbequemlichkeit meinerseits führte bisher nicht zu einer Lösung mit dem Skalpell.

  14. Ilka Meier sagt:

    http://www.stadthunde.com/maga.....osser.html ist teil 2.. find gerade teil eins nicht in meiner “zeitnot” :) war auf einem vortrag von Jan Nijboer und Dr. Udo Gansloßer

  15. es gibt eine sehr schönes Buch von Gabriele Niepel, leider schon tot, mit dem Namen, Kastration beim Hund. Sie hat auch damals die Bielefelder Kastrationsstudie gemacht, welche auch sehr interessant ist. Dort hat Udo Gansloßer auch mitgewirkt.

  16. Birgit Hauschildt sagt:

    mein rüde wurde bereits zum 3. mal gechipt und ist damit für jeweils 6 monate kastriert. mitte januar wird er nun endgültig kastriert. ich bin eigentlich ein kastra-gegner, aber wenn mein hund diesen chip nicht hat, dann bekommt er sofort schmerzhafte prostataentzündungen, blutet aus dem penis, ist hypersexuell und frisst nichts – nicht einmal leberwurst. es gab genug zeiten, wo ich ihn zwangsfüttern musste, weil er mehr als 10 % seines gewichts verlor.
    eine kastra hat in diesem fall nichts mehr mit bequemlichkeit zu tun und es steckt auch kein erziehungsfehler dahinter. sobald gesundheitliche probleme auftauchen, die nicht mehr ohne kastra in den griff zu bekommen sind, halte ich eine kastra für mehr als gerechtfertigt.

  17. Birgit Hauschildt sagt:

    und: jeder Hund ist anders.
    Ich kenne viele Rüden, denen ist es sch..egal, ob eine Hündin in der Nähe läufig ist.
    Meiner ist im nichtkastrierten Zustand dauerkrank (unabhängig von läufigen Hündinnen) und leidet nicht darunter, dass er nicht “rauf darf”, sondern er leidet unter dem Übermaß an produzierten Testosteron. Das wiederum führt zu gesundheitlichen Problemen, die ich keinem Hundehalter bei seinem Hund wünsche. Es ist die Hölle – erst recht für den Hund.

  18. Barbara Ronjamama sagt:

    Seit unser Pflegehund kastriert ist, ist es für alle viel ruhiger. Er wurde mit ca. 4 Jahren kastriert, da sein Herrchen mit dem Verhalten nicht mehr klar kam. Der Hund war, so wie Birgit es schildert, auch ständig hormongesteuert. Unsere alte Ronja mussten wir im Alter von 7 Jahren kastrieren lassen, da sie eine geschlossene Gebährmutterentzündung hatte, die ihr fast das Leben kostete. – Ich muss also sagen, es ist auch meine Meinung, dass es bei einer Kastration völlig individuell gehandhabt werden sollte.

  19. @Birgit Es gibt diese Fälle, so wie du sie beschreibst. Wenn dann die Kastration der einzige Weg ist, dann muss man ihn wohl gehen. Aber dieses Krankheitsbild ist äußerst selten und steht anzahlmäßig im krassen Widerspruch zu durchgeführten Kastrationen, bei denen Hypersexualität vorgeschoben wurde. Ich glaube ich kenne wesentlich mehr Hunde, die deckunwillig sind, als hypersexuelle.

  20. Birgit Hauschildt sagt:

    Geht mir ebenso…um mich herum Rüden, die vielleicht mal jammern, wenn eine läufige Hündin vor ihrer Nase tanzt, aber nicht ein einziger vergleichbarer Fall wie meiner. Viele unkastrierte Rüden, die keinerlei Probleme haben. Ich habe mich immer gegen eine Kastra gewehrt, aber die gesundheitlichen Folgen ohne Kastra heißen irgendwann in ganz naher Zukunft Prostatakrebs, wenn ich jetzt nicht handel und ihn kastrieren lasse, bevor der Chip wieder die Wirkung verliert.

  21. Katinka sagt:

    Ich denke, das sollte jede/r für sich entscheiden. Ich habe mich für Kastration entschieden und bereue das auch nicht.

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